Die einträchtige Positionierung der beiden Apostelstatuen von Petrus und Paulus auf dem Petersplatz in Rom könnte vergessen machen: die beiden großen Männer der kirchlichen Anfangszeit standen in großer Spannung zu einander. Paulus: studierter Jude, ehemaliger Christenverfolger. Petrus: immer bei Jesus, bei dessen ganzer öffentlicher Tätigkeit. Paulus beruft sich auf seine private Erscheinung des Auferstandenen. Petrus gilt bereits in den ersten Jahren der Christenheit als der „Fels“ der Kirche (Matthäus 16, 18) – so war es trotz aller Fehler des Fischers aus Galiläa der Wille Jesu. Paulus hat keine Beauftragung von Petrus erbeten oder erhalten zu missionieren, zu predigen, Gottesdienste zu feiern – und tat es doch (Galater 2, 2). Petrus ist anerkanntes Haupt der zwölf Apostel.

 

Doch ging es beim Zusammentreffen der beiden recht gegensätzlichen Apostel und ihrer Mitarbeiter (auf dem sogenannten „Apostelkonzil“) kaum um gegenseitige Vorhaltungen wegen der Vergangenheit, sondern darum, was man von den neu gewonnenen Christen verlangen müsse, um sie in die Kirche aufzunehmen. Und da lag der Konflikt: Paulus vertritt mit Nachdruck, dass der gesamte Bestand an Vorschriften aus dem Judentum von der Beschneidung bis zu allen Speisegeboten von den neuen Christen nicht gefordert werden dürfe – und er hat in der Geschichte der Kirche überwältigend Recht behalten. Petrus wollte dagegen mit verständlicher Anhänglichkeit den Satzungen seines angestammten Judentums treu bleiben unter dem Motto: ein guter Christ kann nur werden, wer zuvor ein guter Jude wurde.

 

Im Streit auf dem „Apostelkonzil“ wäre die erste konfessionelle Trennung in der Kirche, die erste Kirchenspaltung fällig gewesen. Doch die wurde von Petrus und Paulus vermieden: Beide gaben einander den „Handschlag der Gemeinschaft“ (Galater 2, 9) und der gegenseitigen vollen Anerkennung trotz aller unterschiedlicher Auffassungen. Paulus spezialisierte sich, so die Abmachung, auf die Mission der Heiden, Petrus auf die Gewinnung der Juden.

 

Was für ein Programm für uns Heutige! Dass wir keinen Bruch innerhalb unserer Gemeinden riskieren oder, wenn er vorkam, beibehalten. Etwa zwischen Konservativen und Fortschrittlichen, zwischen Alten und Jungen, zwischen Engagierten und Skeptischen, zwischen parteipolitisch verschieden Orientierten. Dass wir auch keine Dauertrennung zwischen Evangelischen und Katholischen weiter überliefern, als sei sie die allerchristlichste Angelegenheit, sondern vielmehr auf eine gegenseitige Anerkennung der Gottesdienste und Sakramente hinwirken. Nicht aus Leichtfertigkeit oder Extravaganz, sondern weil der Wille Jesu Christi ist, „dass alle eins sind“ (Johannes 17, 21). Petrus und Paulus sind bis heute unübertroffene Vorbilder der kirchlichen Einheit trotz aller Spannungen.

Translator - Tłumacz:

Besucherzaehler