Beim Evangelisten Johannes fallen die Auferstehung Jesu und die Spendung des Heiligen Geistes an die Jünger auf einen Tag. Ostern und Pfingsten sind nicht voneinander zu trennen: Ohne dass die Jünger den Heiligen Geist empfangen hätten, wären sie wahrscheinlich trotz Auferstehung in ihrem Kämmerlein geblieben und niemand hätte die frohe Botschaft des Ostermorgens erfahren. Folgerichtig sendet Jesus die Jünger aus, wie ihn der Vater gesendet hat. Das Evangelium erinnert uns an Pfingsten – fünfzig Tage nach Ostern – noch einmal daran, dass die Osterbotschaft in die Welt gehört: in die kleine Welt unseres Alltags wie in die große, weite Welt.

 

Für Jesus stehen dabei zwei Aspekte im Vordergrund. Zunächst der Friede. Zweimal wünscht er den Jüngern den Frieden – Friede mit sich selbst, mit Gott, untereinander. Kein Friede ohne Aussöhnung. Und keine Aussöhnung ohne Vergebung. Die erste Frucht des Heiligen Geistes ist die Vergebung. Das mag uns heute nicht als Erstes einfallen, ist aber immens wichtig. Im Vertrauen zu leben, dass Gott dem Menschen vergibt, und dann einander und sich selbst vergeben. So wird Friede.

Und so bekommt die Botschaft des Lebens ihre Strahlkraft über Ostern und Pfingsten hinaus.

 

Michael Tillmann