Der Evangelist Lukas erzählt von den sogenannten Emmausjüngern, dem Kleopas und einem weiteren Jünger, die am Tag nach Pascha in niedergeschlagener Stimmung von Jerusalem nach Emmaus gingen. Vor der Kreuzigung Jesu waren sie überzeugt, dass er der lang ersehnte Messias war, und hatten zuversichtlich darauf gewartet, dass das Joch der Römer gebrochen und Israel mit Macht aus der Hand aller Feinde befreit würde. Doch statt seinen Thron als König der Könige einzunehmen, war Jesus zwischen zwei Verbrechern an ein Kreuz genagelt worden und die ganze Hoffnung der Jünger war damit auf einen Schlag vernichtet. Sie waren tief enttäuscht und verleihen dieser Enttäuschung unmittelbar Ausdruck, indem sie der kleinen Schar der Gläubigen in Jerusalem den Rücken zukehren und sich auf den Weg nach Hause nach Emmaus begeben.

 

Es ist zunächst ein Weg, der durch das Unglück von Traurigkeit, Enttäuschung und Niedergeschlagenheit führt. Schritt für Schritt jedoch wandelt er sich zu einem Weg der Hoffnung, weil sich plötzlich ein Dritter hinzugesellt, von dem her alles Dunkle in ein helles Licht getaucht wird. Dieser Dritte, das gilt es für die Leserinnen und Leser aller Zeiten zu entdecken, ist kein anderer als der auferstandene Jesus. Die Erfahrung seiner Gegenwart und Nähe lässt die Herzen der beiden Freunde so sehr brennen (Lk 24,32), dass sie Zeugen sein können für das neue Leben, das Gott uns Menschen in Christus schenkt.

Was hinter den beiden liegt, ist eine Zeit der Angst, eine Zeit des Mit-Leidens und der Niedergeschlagenheit. Sie gehen in ihren Gedanken zurück: zu Jesus, von dem sie meinten, dass er der sei, der Israel erlösen werde (Lk 24,21), an den sich also ihre Erwartungen und Hoffnungen banden. Das Kreuz stellt all das in ein trauriges, sogar erlöschendes Licht (vgl. Dtn 21,23). Und doch ist damit nicht das Ende der Erzählung markiert: Lukas berichtet etwas von den Emmausjüngern, das uns aufhorchen lässt. Während die beiden traurig sind, während sie sich ihrer Erinnerung an Jesus hingeben und ihrem Schmerz Raum gewähren, ist der, um den sie trauern, schon längst in ihrer Mitte. Aber in ihrer Enttäuschung erkennen sie ihn nicht. Sie waren wie mit Blindheit geschlagen, denn die Traurigkeit umschließt ihr Herz wie eine dunkle Schale. Doch dann geht ihnen etwas auf: Als sie zur Ruhe kommen, im Hören auf die Schrift und beim Brechen des Brotes: da erkennen sie, dass der, von dem sie glaubten, er sei weg und fern, nunmehr auf eine ganz andere, neue, intensivere Weise da ist.

 

So ist die lukanische Schilderung der zwei Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus eine der schönsten biblischen Erzählungen von Hoffnung und Verheißung, von echtem Trost und tiefer Freude. Indem hier eine Liebe begegnet - Gottes Liebe -, die stärker ist als der Tod, und ein Glaube - der Glaube der Jünger -, der die Angst besiegt, kommen uns Kleopas und sein Freund sehr nahe. Die beiden, könnte man sagen, werden zu Freunden aller, die traurig sind. Und zu Boten einer Hoffnung, die uns Menschen trotz aller Widrigkeiten, die sich mitunter in den Weg stellen, nicht zugrunde gehen lässt (vgl. Röm 5,5).