Chronik 1748 - 1900


1747 Am 20. September berichtet der Königliche Kriegsrat von Freitag an den König aus Frankfurt am Main, dass um 100 Familien bereit wären, aus dem Hessendarmstädtischen zu kommen und noch eine größere Anzahl folgen würde.

1748 Die Kabinettsorder des Königs Friedrich II. enthält den Befehl, seine Absicht bekannt zu machen, Ausländer in sein Land zu holen, auch Pommern mehr zu bevölkern und zu kultivieren.

"Friedrich der Große nach der Schlacht von Kolin" - Gemälde von Julius Schrader (gemalt 1849)

Friedrich der Große (1740-86) stellte fest: "Die Religionen müssen alle toleriert werden" und holte um 1748 auch katholische Familien aus der Pfalz zur Kolonisierung in das Gebiet nördlich von Pasewalk. Diese blieben jedoch in den von ihnen gegründeten Orten Blumenthal, Hoppenwalde und Viereck weitgehend unter sich und wurden von den Beamten eher reglementiert als toleriert. Den versprochenen eigenen Pfarrer erhielten sie erst ein Jahrhundert später.

 

 

Viereck ist das dritte von katholischen Pfälzer Siedlern gegründete Dorf in Vorpommern. Die neue Kolonie für zunächst zehn Familien erhielt 1749 ihren Namen wie ihre Schwestergründungen nach einem preußischen Minister. Als Jägersberg gegründet, wurde es bereits 1751 zu Ehren des gleichnamigen Staatsministers Viereck umbenannt.

 

Adam Otto von Viereck

(Bild aus dem Jahr 1745)

Außer den (eigenen) Häusern erbauten die aus Rheinland/ Pfalz eingewanderten ein strohgedecktes Haus aus Lehmfachwerk und darin eine Kapelle, eine Schulstube, ein Wohnzimmer für den Küsterlehrer, ein Wohnzimmer für den Dorfhirten, und für beide eine gemeinsame Küche. Der Küsterlehrer leitete den Gottesdienst und unterrichtete die Kinder, da er selbst wenigstens lesen, schreiben und rechnen konnte.

 

Die Ausübung ihres katholischen Glaubens in einer damals geschlossenen protestantischen Umgebung war für die Pfälzer eine der Vorbedingungen für eine Einwanderung gewesen.

 

1776 konnte in Viereck ein Betraum am Schulmeister- und Hirtenhaus genutzt werden.

 

Name der Kolonisten, Familienmitglieder, Beruf:

1. Caspar Dagner, 6, Weber

Anna Catharina Müller

 

2. Wilhelm Dagner, 3, Ackersmann

Catharina Salomon

 

3. Paul Petri, 5, ?

Elisabeth Schellen

 

4. Wilhelm Schück (Schuck), 4, Ackersmann

Marie Elisabeth Tönige

 

5. Raphael Meyer, 6, Leineweber

Maria Barb. Berstwertern

 

6. Christoph Salomon, 6, Ackersmann

Anna Eva Kleinen

 

7. Anthon Lücker, 12, Bäcker

Anna Barbara Scheladin

 

8. Peter Thomas, 8, Ackersmann

Anna Elisabeth Appeln

 

9. Johann Müller, 8 Ackersmann

Catharina M .....

 

10. Michel Hase (Haße), 8, Strumpfwirker

Maria E. Schmidt

 

1786 Die erste Hl. Messe hielt 1786 P. Kirchhoff, Militärseelsorger in Stettin,

 

Trauungen und Taufen wurden in Stettin vollzogen. Die Kirchenregister wurden vorerst in Pasewalk geführt.

 

1809 wurde die katholische Gemeinde in Stettin gegründet (seit der Reformation gab es keine katholischen Gemeinden in diesem Gebiet), und Viereck wurde Filiale dieser Stettiner Gemeinde und erhielt ein eigenes Kirchensiegel

 

1837/38 Bau und Einweihung (am 25.09.1838) einer größeren Fachwerkskirche auf dem jetzigen Kirchengrundstück. (Standort: heutiger Pfarrhausvorgarten)

 

 

Nach Viereck kam einst eine Frau aus ganz katholischer Gegend, die ein Gotteshaus nur kannte als ein stattliches Gebäude mit hochragendem Turme. Als sie unserem Dorfe sich näherte, sprach sie ihre Bewunderung aus, eine solche Kirche nicht zu sehen. Man machte sich darum den Spaß, ihr aufzutragen, die Kirche zu suchen. Die gute Frau, sie lief das Dorf ab und blieb endlich vor einem Gebäude stehen, das sie für einen Tanzsaal halten wollte wegen seiner größeren länglichen Fenster. Aber das konnte es ja doch nicht sein, denn ein kleines, bescheidenes Eisenkreuz an dem Giebel, ein Holzkreuz vor der Eingangstür links und besonders rechts von der selben ein Gerüst von Balken, an dem zwei kleine Glocken hingen, ein Glockenstuhl also, sagten ihr deutlich, dass das Gebäude religiösen Zwecken diene. Sie trat zur Tür hinein und fand, man denke sich ihr Erstaunen, dass dies die Kirche sei. Ja, die guten glaubenstreuen Pfälzer von Viereck, sie haben ihren Herrn im Jahre 1838 wohl ein Haus gebaut, aber arm, wie sie selbst sind, konnten sie es auch nur einfach herstellen, und ärmlich, wie ihre eigenen Häuser.

Wohl ist echter Glaube und christliche Liebe der Gemeinde doch bemüht gewesen, das Innere wenigstens einigermaßen kirchenähnlich zu gestalten; trotzdem verleugnet aber auch dieses nicht den Charakter eines armen Diasproa-Kirchleins. Der Altar ist ein recht ärmliches Lager des lieben Heilandes. Aus einfachen Brettern ist er zusammengefügt, und damit die Klötze derselben nicht gar zu sehr zum Vorschein kommen, hat man diese mit Silberpapier überzogen.

 

 

1849 wurde vom zuständigen Fürstbischof von Breslau ein eigener Geistlicher für die Pfälzer Gemeinden bestimmt. (Seit der Verfassung von 1848 war dies möglich). Er hieß Joseph Gihsmann und bezog zunächst das Schulzimmer in Viereck, dann eine Gartenlaube in Pasewalk und zog dann nach Hoppenwalde. So wurde auch Viereck kirchlich Hoppenwalde zugeordnet, 1861 dann der neugegründeten Pfarrei Pasewalk.

 

"Ich kam nach Viereck und kann euch versichern, dass ich noch nie in meinem Leben mehr Glaube und mehr Liebe zu unserer heiligen Religion und Kirche angetroffen.“ berichtete Wilhelm Emmanuel Frhr. von Ketteler, der Bischof von Mainz, von seinem Besuch 1849 während seiner Zeit als Delegat in Berlin.

 

Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler

 

 

"Ich kam nach Viereck und kann euch versichern, dass ich noch nie in meinem Leben mehr Glaube und mehr Liebe zu unserer heiligen Religion und Kirche angetroffen.“ berichtete Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler, der Bischof von Mainz, von seinem Besuch 1849 während seiner Zeit als Delegat in Berlin.

 

Zum 15.11.1860 kam Wilhelm Kraetzig (1860-1902) als erster Seelsorger nach Pasewalk.

Zum 7.6.1861 wurde offiziell die Missionspfarrei errichtet, zu der nun die Katholiken in Viereck gehörten, aber auch das Gebiet bis zur Insel Usedom.

 

Pfarrer Wilhelm Kraetzig